Psychophysiologie : Der Beobachter im Gehirn: Essays zur Hirnforschung

Der Beobachter im Gehirn: Essays zur Hirnforschung

EUR 11,00


Von Schuld und Sühne zu Prävention und Therapie - Verstärkt man den interdisziplinären Diskurs kommt man an der Neurobiologie nicht mehr vorbei. Singer, neben Roth der führende Vertreter der sich immer mehr ausdehnenden und an Bedeutung gewinnenden Fakultät der Neurologie, hat hier eine Sammlung von Vorträgen vorgelegt, die den durchaus aktuellen Stand der Wissenschaft zusammenfassend im interdisziplinären Zusammenhang aufzeigen. Geschichte und Kunst sind zwei erwähnenswerte Überschneidungsgebiete, wobei der naturwissenschaftliche Ansatz der modernen Hirnforschung sicherlich auch die Gesellschaft zur Reflexion zwingt. Über den Gedanken, das Hirn und seine Synapsen seien prägend und bestimmend für eine Handlung, wird die philosophische Frage der Willensfreiheit, die rechtliche Frage der Verantwortung in dieser Gesellschaft neu zu stellen und vor allem zu beantworten sein. Denkt man die Ergebnisse und Zusammenhänge der modernen bildgebenden Verfahren der Neurologie (CT, MRT) und deren Korrelationen von Stimulanz und Handlungen weiter, wird die alte Idee des Solipsismus offensichtlich wieder aufgelegt. Dort heißt es, dass die Welt um mich herum eine Welt in meiner Vorstellung ist. Denn wenn sich eine Stimulierung sich im Gehirnareal vor jeder Handlung zeigt, ist die Hirn-Aktivität vor einer Entscheidung. Denken und Gefühle, alles Moleküle - so wäre der Wahlspruch in einer Welt, die sich aktuell den Fragen und Problemen der Renaissance der Religionen und deren Auswirkungen zu stellen hat. Dieses Thema würde sich ad absurdum führen, wenn jede Frage zu den Auswirkungen zum eigenem Handeln zum Ausruf: Ich war es nicht! führen würde. Denn wenn es weder persönliche Willensfreiheit noch persönliche Schuld gibt, ist das Handeln mikroskopisch vorbestimmt und die Rechtslage hätte eine schiefe Lage neu zu richten. Nun mag man antworten, die Fragen der Strafrechtstheorie sind nicht neu, die Neurologie mache sie nur dringender, doch die herkömmliche Denke von Schuld und Sühne muss aus diesem Grunde verschoben werden zu Prävention und Therapie.Sie sehen, ein sehr interessantes Potpourri von Gedanken lässt sich aus diesem Singer-Buch entwickeln. Dennoch möchte ich nicht versäumen, Ihnen auch das Buch von Geyer, Hirnforschung und Willensfreiheit zu empfehlen (ISBN 3518123874).

Gehirngespräch - Wolf Singer, seines Zeichens Direktor am Max-Planck-Institut für Hirnforschung, erörtert anschaulich aktuelle Entwicklungen und Erkenntnisse der Neurowissenschaften und deren Auswirkungen auf Fragestellungen angrenzender Bereiche der Geisteswissenschaften. So kommentiert Singer beispielsweise in einem Eröffnungsvortrag anlässlich des Deutschen Historikertags erkenntnistheoretische Probleme der Geschichtswissenschaft mit dem Hinweis auf die Rolle komplexer kognitiver Prozesse bei der individuellen Konstruktion von Wirklichkeit („Über Nutzen und Vorteil der Hirnforschung für die Geschichtswissenschaft).In einem anderen Kapitel spekuliert er genüsslich über Kunst und künstlerische Prozesse als Begleiterscheinungen der menschlichen Gehirnentwicklung („Neurobiologische Anmerkungen zum Wesen und zur Notwendigkeit der Kunst). Eine durchaus sympathische Apologie der konvergierenden Forschung.

Wissen, was die Mind-Machine ausmacht - Dieses Buch sollten Sie gelesen haben, vor allem, wenn Sie mit der Erziehung von Menschen im weitesten Sinn befaßt sind. Singer beschreibt sehr anschaulich den Aufbau der Funktionen und die Funktionsweisen unseres Gehirns, was unter anderem bedeutsame Konsequenzen für unser Geschichtsverständnis hat. Auch die Begriffe Objektivität und Identität müssen in diesem Licht anders verstanden werden. Zudem unterstreicht es die Wichtigkeit der frühen Erfahrungen im Leben eines Menschen und gibt der frühkindlichen Erziehung großes Gewicht. Für Mütter, Erzieherinnen und Politiker ist dieses Buch ein must.

Excellent Food for Thought - Der vorliegende Band ist das Ergebnis der ausgedehnten Vortragstätigkeit des Autors zu interdisziplinären Fragestellungen, die im Zusammenhang mit den Anliegen und Ergebnissen der Hirnforschung stehen. Es handelt sich daher - mit einer Ausnahme - um eine Sammlung bereits erschienener Artikel, auch der Titel Der Beobachter im Gehirn stammt von einem gleichlautenden Kapitel aus Heinrich Meier/Detlev Ploog (Hrsg.), Der Mensch und sein Gehirn. Piper, 1997. Diese Tatsachen sollte jedoch dem Lesevergnügen keinen Abbruch tun. Die Lektüre führt den interessierten Leser nicht nur durch die wichtigsten Themen der Hirnforschung der letzten 10 Jahre - der Dekade des Gehirns - sondern bringen diesem die weit über die Grenzen des Deutschen Sprachraums bekannte Forscherpersönlichkeit Wolf Singers näher. Aus einer umfassenden Perspektive überzeugend dargestellt, zieht sich wie ein roter Faden sein Argument für den fortgesetzten Dialog zwischen Natur- und Geisteswissen-schaften und für den verantwortungsvollen Umgang mit den Möglichkeiten, die Wissenschaft und Technik dem Menschen eröffnen. Folglich: Excellent Food for Thought ...

Excellent Food for Thought - Der vorliegende Band ist das Ergebnis der ausgedehnten Vortragstätigkeit des Autors zu interdisziplinären Fragestellungen, die im Zusammenhang mit den Anliegen und Ergebnissen der Hirnforschung stehen. Es handelt sich daher - mit einer Ausnahme - um eine Sammlung bereits erschienener Artikel, auch der Titel Der Beobachter im Gehirn stammt von einem gleichlautenden Kapitel aus Heinrich Meier/Detlev Ploog (Hrsg.), Der Mensch und sein Gehirn. Piper, 1997. Diese Tatsachen sollte jedoch dem Lesevergnügen keinen Abbruch tun. Die Lektüre führt den interessierten Leser nicht nur durch die wichtigsten Themen der Hirnforschung der letzten 10 Jahre - der Dekade des Gehirns - sondern bringen diesem die weit über die Grenzen des Deutschen Sprachraums bekannte Forscherpersönlichkeit Wolf Singers näher. Aus einer umfassenden Perspektive überzeugend dargestellt, zieht sich wie ein roter Faden sein Argument für den fortgesetzten Dialog zwischen Natur- und Geisteswissen-schaften und für den verantwortungsvollen Umgang mit den Möglichkeiten, die Wissenschaft und Technik dem Menschen eröffnen. Folglich: Excellent Food for Thought ...




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